Warum mich das Bloggen gerade tierisch nervt

Freunde, jetzt ist es raus: das Bloggen geht mir gerade ziemlich auf den Senkel. Seit fast 5 Jahren wächst dieses Blog-Baby. Und jetzt ist irgendwie die Luft raus.

Warum nervt mich das Bloggen?

1. Klar: Aufwand, Platz, Kosten
Für alle, die nicht selbst einen Blog haben, kann ich nochmal kurz anreisen, warum ein Foodblog mehr Arbeit macht, als in der Küche zu stehen und zu kochen.
Voraussetzung für die Blogposts sind natürlich Spaß am Kochen und Backen und am Rezepte testen und kreieren. Aber ein Foodblog lebt natürlich auch von schicken Fotos. Meine ersten Foodfotos waren wirklich gruselig. Glaubt ihr nicht? Schaut mal hier.
In den letzten Jahren habe ich viel gelernt, Workshops besucht, mir einen tolle Kamera (meine Nikon ist mir inzwischen sehr ans Herz gewachsen) zugelegt und vor allem mein Objektiv mit Festbrennweite macht mir Freude (Kosten!* siehe auch unten). 
Aber eine gute Kamera macht eben noch kein gutes Foto und für einen ordentlichen Foodblog-Post muss das Essen natürlich schick angerichtet werden. So. Habt ihr eine Ahnung, wie viele „Foodprobs“ ich habe? Neben den vielen Küchengeräten und zig Backformen habe ich unzählige Schüsselchen, kleine Teller, Schälchen und Kännchen, besondere Brettchen, Körbchen und Platten aller Art. Auf einem Foodfotografie-Workshop wurde mir geraten, auf Flohmärkten nach alten Türen (!) zu suchen und die zu zersägen, damit ich ganz besondere Holzuntergründe schaffen kann (ihr glaubt nicht, wie der Mann mich angeschaut hat, als ich ihm das vorgeschlagen habe…). Dazu kommen Tageslichtlampen, Reflektoren und Kamerastative (ich bin bisher ohne letzten drei Dinge ausgekommen und erwähne das nur der Vollständigkeit halber, denn ein Foodblogger, der was auf sich hält, muss ja ausrüstungstechnisch up to date sein).
Ich wohne übrigens in einer 3-Zimmer-Wohnung mit meinem Mann und dem Mini-Cheesecake und – nennen wir das Kind doch einfach mal beim Namen – die Schränke voller Geschirr kotzen mich inzwischen echt an (Platz!).

Nachdem ich nun das „Foto-Set“ (Tellerchen, Schälchen, besonderer Hintergrund etc.) aufgebaut und wirklich jede Menge Fotos gemacht habe, werden die Bilder gesichtet und aussortiert und anschließend nochmals überarbeitet. Photoshop oder ähnliche Profiprogramme sind mir echt zu aufwendig für den Blog, da muss es ein kostenloses Programm wie Picasa auch tun. Trotzdem: auch Bildbearbeitung kostet Zeit. Schnell noch Texten und ein Foto einstellen und dann ist der Blogpost fertig, oder?

Nein, denn dazu kommt dann noch die Pflege der Social-Media Kanäle, aktuell Facebook, Instagram, Twitter und Pinterest – Asche auf mein Haupt, ich habe es noch nicht geschafft, mich bei Snapchat anzumelden. Trotz der vielen coolen Geschichten, die man davon hört, bricht mir der Schweiß aus bei der Vorstellung, mich um einen weiteren Kanal kümmern zu müssen.
Auch der Blog muss ordentlich gepflegt werden, Kommentare moderiert, E-Mails beantwortet… Oh, es gibt schon wieder eine neue rechtliche Verordnung über das korrekte Impressum? Und ein Leser meldet, dass mein Blog-Titel bei Google vor dem Blog-Post erscheint – ich habe wohl meine SEO-Hausaufgaben nicht gemacht.
Dazu kommen noch die Kooperationsanfragen und Verhandlungen mit Unternehmen (mehr dazu gleich unter Punkt 2).
Kein Wunder, dass ich neben meinem Vollzeitjob früher oft das ganze Wochenende mit dem Blog beschäftigt war (Aufwand!)
Jetzt bin ich Mama. Und wenn ich ganz ehrlich bin, gibt es in meinem Leben gerade einfach Wichtigeres als Käsekuchen.
* Wie viel Arbeitszeit wirklich in einen Blog steckt und was das eigentlich zu kostet, könnt ihr in diesem Artikel von gourmetguerilla nachlesen.
2. Die gezwungene Professionalisierung 
Bloggen hat als harmloses Hobby angefangen und wurde irgendwann zu einem Geschäft. Bei Bloggertreffen war ich schnell verunsichert, weil doch alle schon so super-professionell waren. Wie, du hast kein Media-Kit? Aber auf welcher Grundlage verhandelst du dann dein Preis?
Versteht mich nicht falsch, ich finde es gut, dass auch jungen Bloggern bewusst gemacht wird, wie wertvoll ihre Arbeit für Unternehmen ist und sie sich deshalb nicht unter Wert verkaufen sollen (bitte nochmal daran denken, wie viel Arbeitszeit und Fixkosten in einem Blog stecken)! Und für viele Freiberufler ist der Blog selbstverständlich eine wichtige Einnahmequelle.
Aber für mich persönlich ist das eher anstrengend. Eben war es noch ein Hobby, hatte ich plötzlich Deadlines und einen Steuerberater. Ich habe ziemlich schnell für mich entschieden, Kooperationen fast grundsätzlich abzulehnen. Mir ist der Aufwand, mit meinem Blog Geld zu verdienen, einfach zu groß. Wenn ich für etwas Geld verlange, habe ich einen großen Anspruch an mich selbst, auch ein perfektes Ergebnis abzuliefern. Und ich wollte doch eigentlich nur hin und wieder ein hübsches Rezept posten.
3. Die Hochglanz-Accounts, die uns unter Druck setzen
Schlimmer als diese Professionalisierung (gegen die ich mich bewusst entschieden habe), sind die vielen Hochglanz-Accounts z.B. auf Instagram, die uns gewaltig unter Druck setzen wollen. Hier geht es nicht mehr nur darum, ob ich diese Woche schon ein Rezept verbloggt habe. Nein, es wird schlimmer. Seit der Mini-Cheesecake auf der Welt ist, folge ich unter anderem auch vielen Mama-Accounts. #instamamagangs (oder wie sie immer heißen) zeigen Fotos aus ihrem Leben mit Kindern, die jedem Hochglanzmagazin Konkurrenz machen könnten. Da stehen frische Blumen auf einem Vintagetisch (den sie vermutlich selbst lackiert haben – DIY, ihr wisst Bescheid), das dampfende Latte Macchiato-Glas daneben (oder vielleicht ein selbstgemischter Kräutertee?) und alles ist blitzeblank. Die Mamis im Sportdress oder in hübschen Klamotten, die Strähnchen sind frisch gefärbt, die Haare locker und trotzdem stylisch zusammengebunden, die Babys im schicken Tragetuch.

Reden wir doch mal Klartext: für DIY hatte ich schon immer eher zwei linke Hände und meine IKEA-Möbel sind nicht selbst lackiert. Seit der Mini-Cheesecake auf der Welt ist, sind die fehlenden frischen Blumen das kleinste Problem in meiner Wohnung. Zwischen Spielzeug, Plastikgeschirr und Wäschebergen versuche ich irgendwie, einigermaßen Ordnung zu halten und bitte Besuch trotzdem, sich mindestens 1 Stunde (besser: 1-2 Tage vorher anzukündigen), damit die Bude wenigstens halbwegs vorzeigbar ist. Es gibt Kaffee und Fertigkuchen. Und was glaubt ihr, wann ich das letzte Mal das gute Geschirr ausgepackt habe? Da schließt sich der Kreis mit dem Geschirrschrank voller unnützer Schälchen, Tellerchen, Kännchen usw.

Instagram hat also irgendwie seinen Reiz verloren (an Twitter kann ich mich dafür gerade sehr erfreuen).
4. Und die wirklich wunderbaren Blogs, mit denen ich nicht mithalten kann (und auch nicht muss)
Ihr Lieben, ich sage das ganz neidlos: es gibt viele, viele wunderbare Blogs, denen ich niemals das Wasser reichen kann. Zum Beispiel die liebe Natalie mit ihrem Blog Holunderweg 18 oder Rebecca von Baby Rock my Day, die selbst zwei Kinder hat und nebenbei diesen schönen Blog betreibt. Oder Julia von Kochliebe, die wie es mir scheint, noch mehr bloggt, seit ihr Zwerg auf der Welt ist und so ganz lässig beweist, dass Baby und Bloggen sich nicht ausschließen. Ihr macht das alle ganz wunderbar und ich muss endlich damit aufhören, euch nacheifern zu wollen.

Ich lese immer mehr Blogs (ja, jetzt auch sehr viele Eltern-Blogs) mit lustigen, lehrreichen, bedeutungsvollen Geschichten. Und plötzlich kommt mir mein Käsekuchen wieder so unwichtig vor.

5. Das Kochen und Backen an sich
Ich stehe immer noch gerne in der Küche. Aber jetzt ist es anders. Ich stöbere nicht stundenlang in Kochbüchern und überlege, was ich am Wochenende Schönes ausprobieren kann. Der Mini-Cheesecake möchte essen – nur eben nichts Verrücktes. Da gibt es Nudeln, Pfannkuchen, etwas Gemüse, wenn man es geschickt verpackt, Spätzle, Schnupfnudeln oder Waffeln. Kein Banh mi oder Gua bao (ich vermisse es!), nichts wird getrüffelt oder filetiert. Kein raffiniertes Gewürz.

Und was ist mit Kuchen? Sagen wir es doch ehrlich: gebacken wird nur noch an Feiertagen. Aber inzwischen kenne ich jede Menge Tricks, wie man ein einfaches Rezept mit wenig Aufwand ordentlich aufmotzen kann. So wird aus einem normalen New York Cheesecake schnell das Strand-und-Meer-und-Fische?-Modell und alle finden es ganz klasse. Angeber-Rezepte für vielbeschäftigte Muttis nenne ich sowas.

Meine kulinarischen Highlights sind Sushi to go, Pizza im Bett, Brunch wenn der Mini-Cheesecake bei den Großeltern ist oder wenn wir Essen beim Lieblingsvietnamesen holen und es auf dem Balkon essen, wenn der Mini-Cheesecake schläft.

Wie geht es nun weiter?

Ich habe nicht gesagt, dass ich mit dem Bloggen aufhöre. Ich habe nur gesagt, dass es mich gerade ziemlich nervt. Vielleicht brauche ich eine neue Richtung. Vielleicht packt es mich aber auch in Kürze wieder, der Mini-Cheesecake will plötzlich jeden Tag Gua bao und jeden Sonntag probiere ich ein neues Kuchenrezept, dass ich verbloggen kann. Vielleicht bleibe ich aber auch dabei, hier einfach alle Jubeljahre ein „Angeber-Rezept für vielbeschäftige Muttis“ zu posten (geht supereinfach und schnell und macht trotzdem mordsmäßig was her). Vielleicht wäre das ja auch ein passender neuer Blogname? Als Untertitel „Wie ich 30 Kita-Kinder mit unterschiedlichen Vorlieben ohne viel Aufwand satt und zufrieden kriege“.

Wir werden sehen.
Bis dahin verbringe ich meine freie Zeit mit dem Mini-Cheesecake. Denn das ist mir gerade viel wichtiger als Käsekuchen.

Wir bleiben in Kontakt.

Du magst vielleicht auch

6 Kommentare

  1. Danke für diesen ehrlichen Beitrag, es ist immer sooo erfrischend etwas zu lesen, in dem man sich auch selbst erkennt. Ich hoffe auf jeden Fall, dass du weitermachst – genau so, wie DU es für richtig hälst!

    Liebe Grüße und einen guten Rutsch!

  2. wie treffend. dein artikel spricht mir aus der seele. auch ohne nachwuchs geht es mir gerade ähnlich. dieses dasein zwischen "ich möchte da gerne mithalten" und "das ist mir alles zu aufwändig" kenne ich nur zu gut. ich habe für 2017 beschlossen, dass ich das alles wieder lockerer sehe und hoffe, dass der spass zurückkommt. freue mich jedenfalls immer dich zu lesen, denn du schreibst einfach herzerfrischend. in diesem sinne – einen guten rutsch und bis ende feb 🙂

  3. Hach, meine Liebe… mach so wie Du magst. Dein Blog, deine Regeln. Ich verstehe das gut, trotz 11-jährigem Teenagermädchen, bleibt oft keine Zeit und ich sehedas nicht mehr so eng. Oftmals hat man auch gar nix zu erzählen. Ich streiche weder jede Woche eine Wand neu, noch kann ich mir ständig neue Deko oder Einrichtung leisten und wenn mich kein DIY interessiert, warum soll ich dann eines an den Start bringen. Und wenn dann auf dem Blog halt mal ein Weilchen nix passiert, dann ist das so. Euch alles Gute!
    Michéle

  4. Bin per Zufall auf deinen Blog gestoßen und musste zustimmend über deinen Auskotztext nicken. Ja, so isses! Bin auch Bloggerin mit Job (Grundschullehrerin), einer Beziehung, einem Haushalt UND mitlerweile ZWEI Baustellenhäusern, die von uns nebenbei saniert und restauriert werden. Du glaubst nicht, wie schief man hier angeschaut wird, weil man nach 4 Jahren noch immer nicht fertig ist, keine Hochglanz-Deko-Bildchen präsentiert und die Leser gelangweilt sind vom geringen Stand der Dinge… Pfeif drauf! – dachte ich mir eines Tages. Ich mach, was ICH will, und wer das nicht lesen oder positiv kommentieren mag, soll´s einfach lassen. Sich ständig neue Dinge zu kaufen, um einen Post machen zu können, ist für mich ebenfalls sinnfrei. Da stimme ich dir sowas von zu. Wir haben mal mit Spaß am Bloggen angefangen… der geht zum Teil wegen wirklichem Leben rein zeitmäßig oft flöten, aber egal. Wen stört´s denn wirklich? Willst du auf deinen Grabstein schreiben "Ich hatte kein Leben, aber einen schönen Blog"??? Ich schließe mich zum Abschluss einfach meinem Vorredner an: Mach einfach DEIN Ding, sei authetisch DU und lebe dein Leben. Denn das hat wirklich Priorität. Und ein Blog ist tatsächlich nur Aditum und Freizeitspaß. Mit Betonung auf SPAß!
    Alles Liebe von mir und lass dich nicht so stressen!
    Solveig

  5. Tzä, da fahre ich mal in Urlaub, komme wieder und warte und warte und warte auf einen neuen Beitrag.
    Und sehe das hier und denke: Toll, dass es mal jemand ehrlich sagt!
    Auch ohne Kind beschäftigt mich mein Blog neben meinem Vollzeitjob voll und ganz – ich kann mir bei bestem Willen nicht vorstellen, wie es mit Kleinkind funktionieren kann. Also: Nimmt dir die Auszeit, die du brauchst! Vielleicht machst du dann weiter, vielleicht hast du dich auch einfach weiterentwickelt und suchst dir lieber ein anderes Hobby, wer weiß das schon…
    Du wirst sicher die richtige Entscheidung treffen, Hauptsache dir geht es gut damit 🙂
    Liebe Grüße
    Maja

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*