Der Elternzeitmann

Warum heißt die Elternzeit eigentlich nicht Mamazeit, wenn nur rund 20% der Väter überhaupt Elternzeit nehmen und dann in der Regel auch nur die beiden Pflichtmonate? Zeit, dass sich was ändert und wir machen es gern vor:
Beim ersten Kind war klar, dass wir das klassische Elternzeitmodell nehmen: Mama bleibt 1 Jahr daheim und Papa nimmt die 2 Vätermonate, in denen wir dann zusammen abhängen. Hinterfragt haben wir das erstmal nicht, machen ja alle so. Im Vorfeld steht sowieso die leidige Kitaplatz-Suche an, bevor der Wiedereinstieg in den Job geplant werden kann. Wir hatten Glück: wir bekamen einen Platz in einer tollen Eltern-Kind-Initiative (dazu demnächst ein eigener Post). Allerdings werden Kinder hier erst ab 18 Monaten aufgenommen. Ui. Ich hatte zwar 2 Jahre Elternzeit angemeldet, aber ein halbes Jahr ganz ohne Elterngeld oder mein Gehalt hatten wir dann doch nicht geplant.
Da ich mehr verdiene als der Mann, war schnell klar: er muss das halbe Jahr zuhause stemmen. Gesagt, getan. Ich bin 80 % arbeiten gegangen, er war 6 Monate Vollzeit daheim. Und er sagt, es war die beste Zeit seines Lebens. Jetzt bei Kind 2 haben wir es von Anfang an so geplant und der Mann freut sich schon wie verrückt auf seine Zeit mit den Jungs. Ich freu mich auch sehr. Nach einem Jahr daheim bin ich nämlich sehr gern wieder arbeiten gegangen und der Mann gibt mir die nötige Rückendeckung, so viel zu arbeiten, weil ich weiß, dass er sich zuhause um alles kümmert.
Jetzt die Frage, die allen unter den Nägeln brennt: kann der Papa das daheim denn genauso gut wie die Mama? Die Antwort: er macht es anders. Aber das ist völlig ok. Und wenn ich abends nach Hause komme und er steht in einem Berg von Schmutzwäsche, während die Jungs die Bude auseinander nehmen, dann freu ich mich (manchmal), weil er sagt “Wie schaffst du das alles nur?” P.S. Beide Arbeitgeber haben auf die lange Elternzeit des Mannes eher verhalten reagiert und mussten teilweise klären, “ob das überhaupt geht”.Hier muss sich was ändern. Elternzeit für Väter muss zur Normalität werden – und zwar nicht nur für zwei gemeinsame Reisemonate.Bereich mit Anhängen

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Der Teilzeitmann

Der Mann und ich leben seit etwa einem Jahr den Traum: wir arbeiten beide Teilzeit. Geplant war dieses Modell ursprünglich nicht. Wir haben beide zur gleichen Zeit einen neuen Job angenommen und bei mir war die Voraussetzung 80% plus Reisezeit – das ist mit Kleinkind schon knackig. Da ich mehr verdiene als der Mann war es total legitim, anzudenken, ob er nicht kürzer tritt. Er äußerte beim Vorstellungsgespräch also den Wunsch nach 80% und – zack – war er Teilzeitmann.

Wie läuft das? Wir verteilen unsere Stunden auf je 4 ganze Tage, d.h. jeder von uns hat einen freien Tag in der Woche und planen die Kinderbetreuung entsprechend. Hat der Mann frei, gehe ich früh ins Büro und arbeite lange. Habe ich frei, bin ich für die Kids zuständig. Sind die Kids krank haben wir mit 2 freien Tagen zumindest schonmal 2 Tage Betreuung abgedeckt. 
Achtung, jetzt spricht die Rabenmutter: Für mich ist die Lösung ideal, denn ich arbeite gerne viel. Zum einen macht mir mein Job sehr viel Spaß und zum anderen kommt finanzielle Abhängigkeit für mich nicht infrage. Ich meine damit nicht nur die Rentenlücke durch die Kinderbetreuung, ich will in meinem Job auch am Ball bleiben, denn irgendwann sind die Kinder groß. Der Mann findet es übrigens auch hammer, nicht mehr 5 Tage die Woche am Schreibtisch zu sitzen, ihr könnt ihn ruhig fragen.

Was bedeutet das finanziell? Ja, wir müssen schon rechnen. Wir haben uns wohnungstechnisch gerade vergrößert und Urlaube sind uns heilig. Also sparen wir an anderen Ecken. Shopping (so schwer!). Essen gehen. Für Urlaube recherchiere ich ewig nach dem besten Frühbucher-/Nebensaison-Schnäppchen. Wir versuchen, nachhaltiger zu leben und machen z.B. Wasch- und Putzmittel selbst (Zum Thema Nachhaltigkeit gibt es bald einen eigenen Post). Irgendwo ist immer Einsparpotential. 
Unabhängig von den Kids wünsche ich mir übrigens, dass der Mann und ich das Modell “Doppel-Teilzeit” für immer beibehalten können – später natürlich mal mit dem gleichen freien Tag. Wie cool wär das bitte, immer ein gemeinsames langes Wochenende zu haben?

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